Rechnen

8. April 2010

Kurssturz-Day

Heute ist mal wieder das Griechenland-Gespenst an der Börse aufgetaucht.

Dax verliert deutlich, Bankentitel stürzen ab

Das witzige ist aber, dass es sich nicht um neue Informationen handelt, dass der griechische Staat ein paar Refinanzierungsproblemchen hat. Es passt besser ins Bild, dass (i) über Ostern (ii) an den Börsen bei niedrigen Handelsvolumen die festgestellten Auktionspreise durch (iii) eine temporär höhere Nachfrage als Angebot höher waren als dies mit höheren Ask und Bid Sizes (jetzt) der Fall wäre.

Desweiteren gab es gestern bei vielen Wertpapieren lokale Maxima bei den Preisen. Das zur Folge:

Long-Marktteilnehmer diverser Frequenzen (täglich bis monatlich) ermittelten für die Masse der Einzelposition (mentale Buchführung), dass ihre persönliche Mindesrenditeforderung erfüllt wurde (==> “Mitnahmeeffekte”). Zum Beispiel ein Tagestrader hätte gestern raus sein müssen, aber ein Monatstrader wäre selbst heute bei fallenden Kursen mit einen Plus rausgegangen.

Nun ist die Situation, dass Long-Marktteilnehmer die nun rausgegangen sich wieder einkaufen müssen ==>

(i) Die Nachfrage wird in den nächsten Handelstagen wieder größer als das Angebot sein (==> Kurse UP)

(ii) Es werden ganz viele Bids an den Börsen gestellt mit niedrigen Preislimits (==> Höherer Ask/Bid Spread)

Die Gretchenfrage ist: Wo setzt man die (niedrigen) Kauflimits?
- Wenn “Zu Niedrig” kommt man vielleicht nicht vom Bargeldbestand/Geldmarkt/Alternativen runter,
- Wenn “Zu Hoch” entstehen temporäre Buchverluste, wenn das nächste lokale Minima noch tiefer sein sollte.

In der Regel kommen das “Chartanalysten”, die behaupten irgendwelche Muster, Widerstände, und so weiter zu “erkennen”. Ja ich bin da skeptisch, aber Nein, so ganz weit hergeholt ist das nicht. Zumindestens wurde das mit den Widerstandslinien als etwas Signifikantes in der Finanzmarktforschung entdeckt:

Link 1: http://ssrn.com/abstract=888805
Link 2: http://www.jstor.org/pss/3648174

Ein simpler Erklärungsansatz ist: Long-Marktteilnehmer die auf Bargelbestand sitzen und eine ihrer Frequenz entsprechenden Erwartungswert (z.B. erwarteter Preis in X Tagen/Monaten) ermitteln, berechnen ihre Kauflimits durch diesen Erwartungswert minus ihrer Mindestrenditeforderung. Folglich bilden sich aus der Masse der Kauflimits die von den Chartanalysten bezeichneten “Widerstandslininen”. Konvergieren durch Kommunikation unter den Bargeld-Long-Marktteilnehmer, ihre Kauflimits, entstehen solche “Widerstandslinien” die von Chartanalysten im TV/Zeitschriften/usw. vorgestellt werden.

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